Haltungsschäden bei Kindern – 9 Tipps und Übungen zur Vorbeugung

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Kinder mit dem Rücken zur Kammera
Ein gesunder Rücken ist das A und O, um Haltungsschäden vorzubeugen (c) pixabay, CC0 Lizenz

Viele Kinder klagen zunehmend über Nacken-, Kopf- und Rückenschmerzen. Diese sind häufig auf Haltungsschäden zurückzuführen. Schon im Kindesalter gilt es, die Kinder gezielt beim Aufbau ihrer Rücken- und Bauchmuskulatur zu fördern. Denn diese sind verantwortlich für die optimale Haltung.

Arten von Haltungsschäden und deren Früherkennung

Es gibt in der Regel drei Arten von Haltungsschäden. Zum einen das Hohlkreuz, bei dem sich die Wirbelsäule nach vorne krümmt. Dann gibt es noch den Rundrücken, bei welchem sich die Wirbelsäule nach hinten krümmt. Schließlich gibt es noch die Skoliose. Hier krümmt sich die Wirbelsäule zur Seite.

Dabei ist zu beachten, dass ein Hohlkreuz bis zum sechsten Lebensjahr normal ist. Erst danach solltest du alarmiert sein. Bei Haltungsschäden ist es wichtig, früh zu handeln, um dauerhaften Fehlstellungen vorzubeugen. Hierfür kannst du folgenden Früh-Test machen:

  • Fordere dein Kind auf, sich gerade hinzustellen. Die Füße sind dabei hüftbreit aufgestellt. Nun schau dir dein Kind genau an:
    • Sind die Kniekehlen auf gleicher Höhe?
    • Haben die Arme denselben Abstand zum Körper?
    • Verläuft die Po-Falte gerade?
    • Von der Seite betrachtet: Sind die äußeren Fußknöchel, die Hüftknochen, Schultergelenke und Ohren auf einer gedachten, geraden Linie?
  • Außerdem sollte dein Grundschulkind folgende Aufgaben können:
    • Beide Arme 30 Sekunden lang nach vorne ausstrecken, dabei gerade stehen.
    • Mit geschlossenen Augen und ohne ins Schwanken zu geraten, 60 Sekunden lang gerade stehen.
    • Mit durchgestreckten Knien die Fingerspitzen zu den Zehen führen.
    • Eine Ferse bis zum Po bewegen, ohne sich dabei festzuhalten.

Stellst du bei den Übungen Auffälligkeiten fest, dann ist ein Gang zum Orthopäden ratsam.

Ursachen für Haltungsschäden

Bereits im Babyalter können die ersten Ursachen für spätere Haltungsschäden bei Kindern entstehen, beispielsweise durch zu frühes Sitzen oder falsches Tragen. Später kommt das lange Sitzen in der Schule, vor dem Fernseher, beim Lernen, Lesen und Puzzeln hinzu ebenso wie ein falscher Schulranzen, falsche Möbel oder Schuhe und Übergewicht. Der größte Faktor ist in der Regel der Bewegungsmangel. Nachfolgend geben wir dir neun Tipps und Übungen gegen Haltungsschäden bei Kindern an die Hand.

Neun Tipps gegen Haltungsschäden bei Kindern

#1 Vorbeugen im Babyalter

Bereits im Babyalter kannst du den Grundstein gegen spätere Fehlhaltungen legen. Achte darauf, dass dein Kind nicht zu lange in Wippen, Tragetaschen oder Schalen sitzt. Zudem ist es wichtig, das Kind richtig zu tragen. Dabei sollte seine natürliche Haltung unterstützt werden. In den ersten Monaten ist die Wirbelsäule deines Babys nach hinten gekrümmt und die Beine sind im Hüftgelenk um mehr als 90 Grad angewinkelt. Deshalb ist ein Tragetuch die beste Wahl, sofern das Kind mit dem Blick der Mutter zugewandt ist. Denn dies stützt den Rücken, lässt aber gleichzeitig die Krümmung zu.

#2 Richtige Schuhe

Ab dem ersten Schritt sind die richtigen Schuhe ein wichtiger Punkt. Investiert hier lieber mehr Geld, denn eine Fußfehlstellung hat Auswirkung auf die gesamte Haltung deines Kindes. Am besten lasst ihr euch bei der Schuhwahl von einem Fachmann beraten.

#3 Der richtige Schulranzen

Egal wie cool es eurem Kind erscheinen mag – die Schultasche sollte es niemals bis zum Po hängen lassen oder einseitig tragen. Denn der optimale Schulranzen unterstützt den Rücken und ist von sich aus leicht. Das bedeutet, dass er maximal zehn Prozent vom Körpergewicht des Kindes wiegt. Auch die Form ist wichtig. Feste Ranzen mit verstärktem Rücken sind die richtige Wahl. Von Schultertaschen und den so praktisch erscheinenden Trolleys ist abzuraten. Denn auch den Trolley zieht euer Kind mit nur einem Arm.

Trolleys belasten einseitig und können deshalb Haltungsschäden verursachen (c) By 4028mdk09, Lizenz CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Trolleys belasten einseitig und können deshalb Haltungsschäden verursachen (c) By 4028mdk09, Lizenz CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

#4 Sitzende Tätigkeiten regelmäßig unterbrechen

Euer Kind sitzt in der Regel den halbe Tag in der Schule, anschließend sitzt es beim Lernen, bei den Hausaufgaben oder bei Freizeitaktivitäten wie dem Lesen, Puzzeln, Malen oder Spielen. Dazu kommen in der heutigen Zeit noch der Computer, Spielekonsolen oder der Fernseher. Deshalb ist es wichtig, egal welcher Tätigkeit eurer Kind nachgeht, dass ihr es regelmäßig alle 60 Minuten dazu auffordert, ein bisschen Bewegung einzuschieben. Kleinigkeiten wie Hüpfen, ein kurzes Fangen-Spiel, ein Spaziergang oder ähnliches sind ausreichend. Ein weiterer Pluspunkt: Bewegung und frische Luft fördern die Konzentration.

#5 Die richtigen Möbel

Auch die richtigen Möbel für eure Kids sind wichtig. Falsche Tische und Stühle haben eine krumme Haltung zur Folge. Deshalb sollte euer Kind nicht am Couchtisch oder am Esstisch Lernen, Hausaufgaben machen oder Malen. Ein kindgerechter Tisch mit entsprechendem Stuhl ist wichtig. Die beste Wahl sind höhenverstellbare Möbel. Diese könnt ihr über Jahre hinweg an die Größe eures Kindes anpassen. Dabei ist es wichtig, dass das Kind beim Sitzen beide Füße auf dem Boden abstellen kann. Zudem hilft eine Rückenlehne beim geraden Sitzen. Achtet hierbei darauf, dass die Kids den Kopf aufrecht halten, das Brustbein leicht anheben und das Becken leicht nach vorne kippen.

#6 Übt Bücken und Tragen

Ebenso wie wir Erwachsenen, bücken sich Kinder beim Aufheben von Dingen falsch. Zeigt eurem Kind wie es richtig geht: Nicht aus dem Rücken heraus, sondern aus den Knien. Will es beispielsweise einen Ball aufheben, so ist es besser, wenn es dabei locker in die Knie geht. Außerdem ist es wichtig, dass es nichts zu schweres aufhebt oder trägt. Dann lieber zu zweit anpacken und beide Körperhälften gleichmäßig belasten.

Richtes Bücken beugt Haltungsschäden vor - immer aus den Knien heraus (c) Pixabay, CC0 Lizenz
Richtes Bücken beugt Haltungsschäden vor – immer aus den Knien heraus (c) Pixabay, CC0 Lizenz

#7 Ausgewogene, gesunde Ernährung

Zu hohe Belastungen für den Rücken sind mit eine Ursache für Haltungsschäden bei euren Kindern. Ein Grund für eine zu hohe Belastung kann Übergewicht sein. Deshalb ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung essentiell.

#8 Bewegung, Bewegung, Bewegung

Die mangelnde Bewegung ist die häufigste Ursache für Haltungsschäden. Für eure Kinder sind ein bis zwei Stunden Bewegung am Tag wichtig. Ist der Schulweg nicht zu weit, dann lasst eure Kind zu Fuß gehen oder das Fahrrad nehmen, statt sie mit dem Auto zu bringen. Außerdem kann jedes Spiel in der Wohnung oder im Freien für ausreichen Bewegung sorgen. Lasst euer Kind fangen Spielen, Seil springen, Verstecken und Federball spielen oder geht mit ihm auf den Spielplatz, all dies sorgt für Abwechslung, Spaß und ausreichend Bewegung. Außerdem könnt ihr eure Kinder für eine Sportart anmelden. Welche die richtige ist, zeigt unser ausführlicher Artikel über die unterschiedlichen Sportarten für Kinder.

#9 Gymnastik

Macht mit eurem Kind am besten mehrmals täglich, mit jeweils zehn Wiederholungen, kleine Gymnastikübungen. Diese könnt ihr beispielsweise vor dem Frühstück, vor dem Mittagessen und vor dem Abendessen einbauen und spielerisch gestalten. Nachfolgend haben wir neun Übungen, die nicht zu anstrengend sind und den Kids Spaß machen.

Neun Übungen für einen gesunden Rücken

#1 Äpfel pflücken

Bei dieser Übung lässt du dein Kind abwechselnd beide Arme nach oben strecken. Dabei sitzt dein Kind.

#2 Schräge Bahn

Auch hier Sitz dein Kind auf einem Stuhl. Nun soll es sich mit beiden Händen am Stuhl abstützen und Bauch und Po nach oben drücken und wieder absenken.

#3 Po-Wackler

Dein Kind sitzt wieder auf einem Stuhl und stützt sich mit beiden Händen ab. Nun gilt es, abwechselnd die linke und die rechte Po-Hälfte zu heben.

#4 Hebebühne

Bei der Hebebühne stellt sich dein Kind mit dem Oberkörper beziehungsweise mit dem Rücken an eine Tischkante oder eine Wand. Nun bewegt es sich entlang der Wand oder Kante langsam auf und ab, sodass die Beine einen rechten Winkel bilden.

#5 Liegestütz

Der Klassiker unter den Kraftübungen, die auch dein Kind machen kann. Es soll sich mit beiden Händen und gestrecktem Körper aufstützen und abwechselnd die Arme beugen und strecken. Ist dies zu schwer, kann es die Knie absetzen und aus dem Vierfüßler-Stand arbeiten.

#6 Drehwurm

Bei dieser Übung legt sich dein Kind auf den Rücken. Jetzt gilt es, die Beine auszustrecken und die Arme über den Kopf nach hinten ebenfalls langzumachen. Nun soll es sich vier Mal um die eigene Achse und zurück drehen.

#7 Lustiges Gestrampel

Das lustige Gestrampel macht nicht nur Spaß, sondern trainiert gleichzeitig die Bauchmuskeln. Diese sind ein wichtiger Gegenspieler zu den Rückenmuskeln und ebenfalls essentiell für eine gesunde Haltung. Hier legen sich die Kids auf den Rücken und strecken Arme und Beine in die Luft. Jetzt darf es 30 Sekunden lang wild strampeln. Aber vorsichtig – achtet darauf, dass euer Kind den Rücken fest auflegt und nicht in ein Hohlkreuz geht.

#8 Auf und Ab

Hierbei kniet sich dein Kind aufrecht hin und nimmt die Hände hoch über den Kopf. Jetzt abwechselnd nach links und rechts absitzen lassen, bis der Po den Boden berührt. Dabei soll es seine Balance halten. Die Übung wiederholt es am besten fünf Mal auf jeder Seite.

#9 Handtuch-Rennen

Diese Übung macht riesigen Spaß und ihr könnt sie als kleinen Wettkampf austragen. Dafür stellt ihr euch auf ein Handtuch und versucht durch Hin- und Herrutschen der Füße so schnell wie möglich vorwärts zu kommen.